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2. Oktober 2007 / competenceselling

Buchtipp: Stephan Marks – Scham – die tabuisierte Emotion

Gerade ist das neue Buch von Stephan Marks auf den Markt gekommen:

Marks, Stephan: Scham – die tabuisierte Emotion. Patmos Verlag Düsseldorf, August 2007

Der Autor, der bereits mehrfach über das Thema Scham geschrieben hat, ist Sozialwissenschaftler, Supervisor und Lehrerfortbildner. Von 1993 bis 1998 war er Geschäftsführer des „Zentrums für Weiterbildung und Hochschuldidaktik“ der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Er leitet das Forschungsprojekt ‚Geschichte und Erinnerung’ und ist Vorstandsvorsitzender von ‚Erinnern und Lernen e.V.’

In einem Interview äussert er sich zu seinem neusten Buch:

“ Traumatische Scham ist die Angst vor der psychischer Vernichtung. Solche Ängste werden vom Menschen genauso verarbeitet wie die von körperlicher Bedrohung. Vernunft und Gedächtnis, alles, was wir an guten, ethisch wertvollen Verhaltensweisen einstudiert haben, ist wie ausgeklinkt, nicht verfügbar. Der Körper zieht sich eiligst auf primitive Überlebensmechanismen zurück. Weil er den Schmerz nicht aushält, flieht er häufig in Abwehrformen: Angriff, Flucht oder Verstecken. „…….“Das Reptilienhirn übernimmt das Kommando.“

…“Ich unterscheide sechs verschiedene Grundformen. Scham reicht vom kleinen Lapsus – wenn auf einmal zwei verschiedenfarbige Socken aus den Hosenbeinen lugen – bis zum Trauma, Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein. Die Anpassungsscham etwa stellt die Frage: Gerhöre ich dazu? Die Gewissensscham: Bin ich mir selbst treu?“

Zu der Frage, ob wir Scham heute noch brauchen:

„Unbedingt. Sie hilft dem Menschen, seine Grenzen zu erkennen. Sie ist ein Regularium zwischen dem Ich und dem Wir. Schamgefühle machen uns menschlich, zeigen, dass wir Fehler begehen können, machen uns im guten Sinne demütig. „Demut“ hat im Deutschen einen unangenehmen Beigeschmack, aber zum Beispiel im Englischen „humbleness“, da steckt das Wort „humus“ drin, also erden. Demut und Scham erden den Menschen – und zwar mit Wucht.“

….“Männer tendieren eher in die aggressiven Abwehrmechanismen, also Zurückbeschämen, Verachten, Gewalt oder Überheblichkeit. Frauen verfolgen eher selbstdestruktive oder depressive Muster.“…“Scham geht psychisch bis an die Wurzel unserer Existenz: Bin ich richtig, bin ich falsch? Bin ich liebenswert? Gehöre ich dazu? Das Gefühl von Scham ist nicht: Ich habe einen Fehler gemacht. Das ist Schuld. Sich zu schämen heisst dagegen: Ich bin ein Fehler.“

Quelle: Georg Cadeggianini

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