Skip to content
21. Januar 2010 / competenceselling

Der sagt einfach nichts – oder die „Gardinenpredigt“

Ziemlich oft beklagen sich Führungskräfte bei mir über Mitarbeiter, die in einem Gespräch, besonders wenn es um kritische Dinge geht, sehr schweigsam werden.

Da heisst es: „Ich habe auf Frau XY eingeredet und was kommt zurück? Gar nichts! Sie sagt einfach nichts.“ Da spricht schon die Verzweiflung aus diesen Worten. Ähnlich folgende Aussage: „Als ich Herrn YZ fragte, wie er sich das denn vorstelle, wie das weitergehen solle, bekomme ich einfach keine Antwort. Totales Schweigen.“

Ja, ich kenne diese Situationen. Sie kommen häufiger vor als man denkt. Überlegen wir kurz, wie sie entstehen. Meist haben die Chefs sich vorher über den betreffenden Mitarbeiter geärgert, ein Fehlverhalten festgestellt oder sind einfach mal wieder an die Grenze ihrer Geduld angekommen. Viele Führungskräfte berichten, dass nach einigen vergeblichen Ansätzen, ihre Mitarbeiter zu mehr Arbeitsqualtitä, ein verändertes Verhalten oder zu mehr Initiative zu entwickeln, ihnen die Geduld abhanden kommt. Was dann folgt ist die „Gardinen-Predigt“. Man redet auf den Mitarbeiter ein. Unter Umständen befindet man sich auch noch in der entsprechend falschen Situation. Sie stehen vor dem Arbeitsplatz Ihres Untergebenen, oder er steht verloren vor Ihrem Chefschreibtisch. Noch schlechter, sie predigen zwischen Tür und Angel, im Flur oder in der Kantine. Aber selbst in einem vernünftig geschaffenen Rahmen kann es vorkommen, dass auf Ihren Wortschwall keine Reaktion kommt. Wie kann es dazu kommen?

Ich hoffe, Sie wissen um Ihre Mitarbeiter und was für „Typen“ es sind. Kennen Sie die Biostruktur der Kollegen? Haben Sie Informationen über ihren Hintergrund, z.B. Privates, Familäres und über ihre Wünsche und Ziele? Das sollten Sie haben, denn je besser Sie Ihre Leute kennen, desto eher wird man ein freies, ungezwungenes Gespräch führen können. Meistens kommt es dann erst gar nicht zu solchen Predigten. Kennt man sich (das gilt auch umgekehrt) geht man einfacher und offener miteinander um.

Zurück zu der Frage, wie kommt es zu einem völligen Nicht-Reagieren. Die häufigsten Gründe sind Einschüchterung, Verletzheit, Scham oder Trotz. Betrachten wir sie im Einzelnen:

Einschüchterung:

Das grundlegende Problem hierbei ist: Kritik ist fast immer negativ besetzt. Werde ich also kritisiert, verfalle ich in eine „schüchterne“ und damit völlig passive Verhaltensweise. Obwohl viele Menschen der Überzeugung sind, dass sie gut mit Kritik umgehen können, ist das eher selten der Fall.  Ebenso wenn der Andere laut wird. Hierauf reagieren viele ängstlich, insbesondere dann, wenn derjenige hierarchisch höher steht. Man ist eingeschüchtert und sagt nichts mehr.

Verletztheit:

Was der andere gerade gesagt hat tut einfach weh, man ist verletzt und reagiert durch Rückzug, körperlich, emotional und natürlich auch verbal. In diesem Fall durch Schweigen. Auch wenn das Gesagte nicht so gemeint ist. Entscheidend ist, was ankommt.

Scham:

Die Kritik kommt an. Wenn auch nicht durch Akzeptanz, aber im Innersten weiss ich, es stimmt. Ich schäme mich. Nur ausdrücken kann ich es nicht – jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt. Scham ist ein sehr negatives Gefühl. Es drückt aus, ich habe versagt und ich werde in meiner Person in Frage gestellt. Auch hier ist die typische Reaktion Schweigen.

Trotz:

Na, der soll sich mal nicht so wichtig machen. Was will der eigentlich? Hat der ein Problem? Ist mir doch egal. Trotz ist die Anti-Einstellung zu dem was mir gesagt wird. Ich reagiere mit Ablehnung und Ignoranz. Am besten sage ich nichts dazu, dann prallt alles an mir ab.

Wenn Sie dieses Nicht-Reagieren beim gleichen Mitarbeiter schon mehrfach erlebt haben, dann sollten Sie jetzt darüber nachdenken, welche Gefühle hier vorherrschen. Und wie Sie darauf reagieren.

  • Stellen Sie sicher, dass Sie hinreichend über Ihre Mitarbeiter wissen – auch in Bezug auf ihre Lebensmotive und Handlungsmuster
  • Schaffen Sie das richtige Miteinander in jeder Situation
  • Halten Sie ein, bevor Sie anfangen zu „predigen“
  • Versetzen Sie sich in den Anderen
  • Fragen Sie sich, welche Art der Emotion ist es, die im Falle des Nicht-Reagierens dahinter liegt
  • Sind Sie schon mitten in der  „Predigt“ drin, brechen Sie ab, vertagen Sie das Gespräch und fangen später neu an. Diesmal unter besseren Bedingungen.
  • Mitarbeiter, die aus Trotz reagieren, bedürfen einer genaueren Analyse (Reagieren sie immer so und wenn ja warum?)
  • Mitarbeiter, die aus Scham reagieren, bedürfen der Zusprache und Zuwendung. Bauen Sie sie wieder auf. Motivieren Sie sie.
  • Mitarbeiter, die aus Einschüchterung reagieren brauchen einen Chef, der versteht, dass sein Verhalten Ursache der Einschüchterung ist. Sie sollten an sich arbeiten.
  • Mitarbeiter, die aus Verletztheit reagieren brauchen einen Chef, der seine Wortwahl überarbeitet und seine Mitarbeiter respektiert.

Bleiben wir noch kurz bei den jenigen Mitarbeitern, die auch nachhaltig in solchen Situationen einfach schweigen. Kürzlich hörte ich von einem Fall, an dem die betroffene Führungskraft fast verzweifelte. „Was soll ich nur tun?“ lautete ihr Hilferuf. Doch manchmal kann man gar nichts machen. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und auf Ihrer Seite alle Voraussetzungen für ein vernünftiges Gespräch erfüllt worden sind und dennoch bleibt es beim „sagt einfach nichts“ – ist nichts zu machen. Erwachsene Menschen, die auch nach einigen Berufs- und Reifejahren nicht in der Lage sind, auch mal Stellung zu beziehen, ändern zu können,  daran brauchen Sie ebenso wenig zu glauben, wie an den Osterhasen. Es ist völlig zwecklos. Sinnvoller ist es dagegen über eine Trennung nachzudenken. Offen und fair natürlich. Und ohne Schuldzuweisung.

Advertisements
  1. Beate Gothe / Jan 21 2010 16:04

    Vielen Dank für Deine „Denkanstöße“ !!

    Die Verzweiflung ist bei manchen Mitarbeitern wirklich sehr groß.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: