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16. Februar 2009 / competenceselling

Authentisch oder nicht authentisch

Vor ein paar Tagen stiess ich auf eine Notiz in managerSeminare.de. Es geht um den Berater Rainer Niermeyer, der augenscheinlich nicht viel von Authentizität hält. Zitat:

Irrglaube Authentizität
Die allgegenwärtige Forderung nach Authentizität sollten Führungskräfte nicht für bare Münze nehmen. Denn ‚echtes‘ Verhalten kommt weder gut an, noch macht es erfolgreich. Im Gegenteil: Wer sich authentisch verhält, wird als Quertreiber wahrgenommen und behindert die eigene Entwicklung, sagt Rainer Niermeyer. Der Psychologe erläutert die Gefahren des Authentizitätskonzepts und entwirft ein Gegenmodell.

Nun, wenn ich mir die Webseite von Rainer Niermeyer ansehe, relativiert sich das ein wenig. Auch hier ein Zitat:

Die Kunst der Führung besteht nicht darin, die eigene Persönlichkeit auszuleben. Im Gegenteil: Erfolgreiche Manager wissen, dass sie für eine bestimmte Aufgabe und bestimmte Rollen engagiert worden sind, die es auszufüllen gilt. Niermeyer zeigt, wie Führungskräfte konstruktiv mit den Erwartungen an sie umgehen und ihre Rollen erfolgreich ausfüllen, ohne sich zu verbiegen.

Der letzte Halbsatz „ohne sich zu verbiegen“ ist wirklich wichtig, denn alles andere geht nicht lange gut. Aber der Reihe nach: Niermeyer plädiert dafür, in Job, egal ob Führungskraft oder nicht, durchaus mal eine Rolle zu spielen. Er meint, es gehe doch die Anderen nichts an, ob man am Abend vorher getrunken habe und Sie nun einen Brummschädel haben. Und er sieht Führung als „Königsdisziplin des Rollenspiels“ an.

Seine Folgerung ist, dass „Echtsein erfolglos macht“ und dass „Rollenspiel erfolgreich macht“. Wenn er damit die Realität widerspiegelt stimme ich sogar zu. Letzlich zeigt Niermeyer auf, wie es tatsächlich ist, nicht aber, wie es richtig und gut ist. Ja, wir sind in der Tat immer wieder gezwungen eine Rolle zu spielen, aber wird es dadurch richtiger?

OK. wenn ich als Chef vor eine Abteilung trete, dann starte ich eine Ansprache, die durchaus einen gewissen Unterhaltungswert und Bühnenwert haben sollte, wie sonst kann ich Mitarbeiter mitreissen, motivieren und begeistern. Doch es muss zu unspassen. Wir können nicht plötzlich den Pausenclown geben, wenn es nicht unserem Naturell entspricht.

Auch richtig ist, privates gehört nur bedingt in die Arbeitsumgebung. Natürlich geht es niemand an, wenn Sie zu Hause Ärger haben. Das muss keiner im Büro erzählen, damit man authentisch ist. Aber Sie dürfen ruhig zugeben, dass Sie nicht „gut drauf sind“.

Die Frage ist also vielmehr, wo fängt Authentizität an, wo hört sie auf.

Denn die eigentliche Frage ist: Was ist Authentizität überhaupt.  Unter einer ganzheitlichen Betrachtung menschlicher Verhaltensweisen, der psychologischen und der biologischen, ist Authentizität die Stimmigkeit der genetisch-veranlagten Biostruktur und dem erlernten Verhalten. Oder nochmal vereinfacht: Veranlagung trifft Erfahrung.

Passen Veranlagung und Erlerntes zusammen und stehen Sie dazu, Ihre damit verbundenen Stärken und Begrenzungen zu zeigen und „auszuleben“, dann sind Sie authentisch. Das hat nichts damit zu tun, ob Sie mal eine Rolle spielen oder wie viel Sie z.B. aus Ihrem Privatleben im Büro ausplaudern. Natürlich werden Sie sich in einem Bewerbungsgespräch ein wenig „produzieren“ – wohlwissend, dass jede Übertreibung schnell zur Luftblase wird. Ein dauerhaftes Leugnen der eigenen Authentizität sich selbst und anderen gegenüber macht krank. Sie belügen sich und Andere, machen etwas vor, das Sie nicht sind und müssen sich ständig verstellen. Und das geht einfach nicht, bzw. Sie werden es nicht dauerhaft durchhalten.

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  1. Anne M. Schüller / Feb 19 2009 10:53

    Nicht authentisch im Sinne von nicht echt, also falsch zu sein, birgt große Gefahren. Die meisten Menschen haben ein sehr gutes Intuitionsradar für richtig und falsch. Und wenn wir etwas für falsch halten, dann warnt uns die Amygdala (Struktur im limbischen System). In der Folge nehmen wir uns in Acht und ‚kaufen‘ lieber nicht – also auch nicht die Ideen der Führungskräfte.

    Und schlimmer noch: Weil eine Führungskraft Vorbild im wahrsten Sinne des Wortes ist, beginnen nun alle im Unternehmen, sich selbst und anderen etwas vorzuspielen. Das betrifft dann auch den Verkauf. Mangelnde Authentizität ist aber gerade dort ein Hemmschuh – denn wenn Kunden sich unsicher sind oder fühlen, weil ‚irgendwas‘ nicht stimmt, dann kaufen sie nicht. In Kunden-Worte gefasst heißt das dann: „Ich muss es mir noch einmal überlegen.“ Oder: „Das andere Angebot war besser.“

    Und schließlich: Mitarbeiter wollen wissen, was mit ‚Mensch Führungskraft‘ los ist. Der roboterhaft agierende ‚Übermensch-Manager‘ ist ein Auslaufmodell. Vergleiche dsbzgl: http://www.kundenfokussierte-unternehmensfuehrung.com/rw_e13v/schueller_ku/usr_documents/Artikel_rollenderfuehrungskraft.pdf

    Gruß. Anne Schüller

  2. Alp Timurhan Çevik / Nov 30 2009 22:59

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