Skip to content
13. Oktober 2008 / competenceselling

Hintergründe verstehen

Manchmal macht man sich ja Gedanken. Z.B. darüber, warum das alles so läuft wie es läuft und dann unterhält man sich mit anderen über diese Dinge und muss feststellen, dass eigentlich keiner so richtig weiss, warum so ist wie es ist und vor allem, welche Schlüsse daraus für die Zunkunft zu schliessen sind. Umso schöner, wenn es Menschen mit Durchblick gibt, die es auch noch anschaulich erklären können. Einer davon ist mein „Kollege“ Gunter Dueck, der im nachstehenden Text mehr Klarheit verschafft. Hilfreich bei vielen Gesprächen und selbst als Betriebswirt geht einem noch ein Licht auf.

Auszug:

Die Banken verbaseln alles

von Gunter Dueck

Die so genannten Basel II Regeln verlangen von Banken, dass sie die Risiken vermeiden und managen. Tatsächlich aber werden die Risiken erhöht. Das sehen wir ja jetzt. Die Banken haben das Geld nicht sorgsam gehütet, sondern verbaselt. Wie geht das? Ich versuche, Ihnen eine Idee von Risikomanagement zu geben.

Wenn man einen Kredit vergibt, kann es sein, dass der nicht zurückgezahlt wird. Das ist das Risiko der Bank. Sie muss für diesen Fall gewappnet sein. Deshalb wäre es klug, wenn sie Geld zurücklegen würde, so viel, wie es dem eingegangenen Risiko entspräche. Sie deckt dann etwaige Verluste mit ihrem Eigenkapital ab.

Auf der anderen Seite haben sich die Banken eingeredet, sie müssten die Eigenkapitalrendite so irre hoch steigern wie es die Citi-Bank manchmal geschafft hat. Sie wurde als Vorbild gesehen (das ist diese selbe Bank, die neulich in Risiken erstickte!). Sie erinnern sich vielleicht, als die Deutsche Bank ebenfalls mehr als 25 Prozent wollte und dies auch schaffte? Es ist ganz leicht, die Eigenkapitalrendite zu erhöhen. Die meisten von Ihnen denken, dass macht man dadurch, indem man mehr Gewinn erzielt. Naiv! Rendite ist Gewinn pro Kapital. Sie können die Rendite auch erhöhen, wenn Sie das Eigenkapital senken. Eine gute Idee wäre es, sich alles Geld, was man Kunden als Kredit verleiht, selbst bei anderen Banken zu leihen und GAR KEIN Eigenkapital zurückzulegen. Stellen Sie sich vor, eine Großbank hat 1 Euro Eigenkapital und macht einen Gewinn von 100 Euro im Jahr. Dann ist die Eigenkapitalrendite gleich 10.000 Prozent (Der Gewinn ist das Hundertfache des Kapitals!). Man muss also das Eigenkapital senken, dann ergibt sich die Rendite von ganz allein und schwupps hat der Vorstand sein Ziel erfüllt und bekommt einige Millionen Bonus. Hey, man muss nur höhere Risiken in Kauf nehmen, am besten alles riskieren!

Frage: Wer, bitte, hat denn jetzt eigentlich das Risiko, wenn die Großbank nur 1 Euro Eigenkapital hat? Antwort: Die Aktionäre. Wenn die Bank Kreditausfälle nicht decken kann, weil das Eigenkapital nicht ausreicht, sind die Aktien wertlos. Die Bank wird dann wohl für 1 Euro verkauft und gehört dann anderen Aktionären. Denken Sie einen Augenblick genüsslich nach: Genau diejenige Strategie, die die Eigenkapitalrendite himmelhoch schießen lässt, verwandelt in Wirklichkeit so etwas wie Risiko in Geld. Man verbessert die Kennzahlen durch maßloses Riskieren. Wir schließen logisch einwandfrei: Diese Art von Management ruiniert die Aktionäre. Diese Art von Management aber hat sich ja gerade in den Dienst des Shareholder-Values gestellt!! Das Management treibt das Risiko hoch, zeigt bessere Zahlen vor, bekommt einen Bonus und die Aktionäre jubeln, denn sie kaufen jetzt noch Aktien dazu und der Kurs steigt. So geht die Produktion von Shareholder-Value ohne viel Arbeit. Man muss das Risiko hochfahren, aber so, dass die Leute an der Börse und vor allem die dummen Aktionäre es nicht merken. Kein Problem, sie verstehen ja nichts von Risiko und lassen sich die Aktien hochjubeln und jubeln dabei mit.

Die Bankenaufsicht passt aber auf! Sie will uns ja nicht in den Fängen solchen Treibens lassen. Deshalb hat sie Regeln aufgestellt, dass man Banken nicht einfach auf Kredit arbeiten lassen kann. Die so genannten Basel II Regeln verlangen, dass für jeden Kredit genug Eigenkapital da sein muss, sonst bekommt die Bank eine gelbe bis rote Karte. Das geht so: Sie und ich werden als Kunden in Bonitäts-klassen eingestuft. A sind die sehr guten, B die guten Kunden und dann gibt es noch C und D. Je nach Kundenklassen muss die Bank die Kredite mit so etwas wie acht oder zwölf oder fünfzehn Prozent Eigenkapital unterlegen. Bei guten Kunden muss sie weniger Eigenkapital unterlegen, bei schlechten Kunden viel. Sie hat deshalb eigentlich lieber nur gute Kunden!

Die Banken haben nun zum Teil große Softwarepakete, die die Risiken optimieren. Die Bank gibt nun gerade so viele Kredite aus, dass das vorhandene Eigenkapital ausreicht. Damit halten sich also die Banken an diese Regeln der Bankenaufsicht.

Gut, denken Sie? Na ja… Sehen Sie: Die Regeln der Bankenaufsicht setzen dem Risiko Grenzen, sie sind eigentlich wie ein Limit im Straßenverkehr. Und genau wie wir im Ort immer genau 50 vor den Radarfallen fahren, fahren die Banken ihr Geschäft genau an der Basel II Kante. Das ist eigentlich nicht so gedacht, oder? Dass man Risiken am oberen Limit fährt, weil die eigenen Aktionäre nix davon kapieren? Okay, erlaubt ist es jedenfalls, nur nicht gut.

Aber nun: Nehmen wir einmal an, in Amerika steigen die Immobilienpreise an. Denken wir uns einen armen Mini-Jobber aus Nebraska, der in einem geerbten Papphaus mit einem Wert von 100.000 Dollar lebt. Er hat darauf noch 30.000 Dollar Schulden. Hohes Risiko! Nun aber steigt der Marktwert des Hauses auf 150.000 Dollar an. Jetzt – so sagen die Regeln – ist das „Risiko“ niedriger geworden. (Es ist eigentlich nicht das langfristige Risiko kleiner geworden, eher erst die augenblickliche Gefahr, aber die Basel II Regeln schauen nur auf den augenblicklichen Stand – tja.). Und nun sieht die Bank, dass aus einem D-Kunden ein C-Kunde geworden ist. Da aber ALLE Häuserpreise steigen, werden nun ALLE Kunden in der Bonität höher gestuft, die ein Haus besitzen. Sie sind ja alle reicher geworden. Deshalb muss die Bank nicht mehr so viel Eigenkapital für die Kredite hinterlegt haben. Sie kann jetzt wieder viel mehr Kredite bei gleichem Eigenkapital ausgeben.

Was macht die Bank? Sie fragt den armen Mini-Jobber, ob auf das Haus mit dem neuen Wert von 150.000 Dollar nicht noch ein Autokredit aufgenommen werden kann. Dann hat sie wieder den Kreditrahmen ausgeschöpft. Sie gibt dem Kunden dabei gerade so viel Geld, dass er nicht wieder auf D abrutscht. Verstehen Sie? Man geht immer das höchstmögliche Risiko ein, was gerade erlaubt ist. Alles am Limit.

Lesen Sie bitte hier weiter

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: