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30. September 2008 / competenceselling

It’s Showtime

Es gibt sie noch, die Entertainer unter den Trainern. Und das ist gut so, denn das Publikum will Show, will Unterhaltung und Spass. Nüchtern geht in den Kopf nichts rein, das geht nur verbunden mit Übertreibung, Witz und Unterhaltung. Und so landet man dann auch in der Presse. In diesem Fall im Südkurier. Aber egal, schliesslich ist jede Nachricht eine gute Nachricht. Aber mal ernsthaft. Auch wenn das ganze wie eine Persiflage klingt, aber der Mann bleibt doch im Kopf hängen. Oder? Denken Sie an die Formel 50*50*50. Sie heisst übersetzt: Sie hören nur 50 % von dem was der Redner sagt, Sie nehmen nur 50 % davon, was Sie gehört haben mit und davon wiederum wenden Sie nur zu 50 % an. Na, wieviel bleibt übrig? Da hab ich doch ein wenig Show ganz gerne.

Radolfzell

Optimismus lässt sich einpendeln

Es ist kein Abend für Skeptiker. Hindernisse? – Pah! Antony Fedrigotti braucht keine Treppe, um auf die Bühne des Milchwerks zu gelangen, der Trainer für Persönlichkeitsentwicklung nimmt die etwa einen Meter hohe Rampe sportlich. Das würde nicht jeder der etwa 300 Zuhörer im Saal mit einer solchen Lockerheit meistern.

Dabei ist der Südtiroler von kleiner, fast graziler Statur. Was ihn federleicht nach oben bringt ist die Motivation.

Sie kommt von innen – und nur von dort kann sie kommen. Das ist die Kernaussage des Mannes, den Helmut Villinger als Vorsitzender der Radolfzeller Aktionsgemeinschaft in die Stadt geholt hat, auf dass die Mitarbeiter im örtlichen Handel und Gewerbe, bei den Banken und der Stadtverwaltung persönlich und beruflich ihre Chancen besser nutzen. Er selbst gilt in Radolfzell als optimistischer Geist, der bei jeder Gelegenheit für Herzlichkeit in der Stadt wirbt, weil das zu Erfolg führt und ganz nebenbei die persönliche Lebensqualität steigert.

Doch sorry – an den Meister kommt Helmut Villinger nicht heran. Bei der Ankündigung spricht der Chef der Händler von Aufbruchstimmung in Radolfzell, die ihren Ausdruck beispielsweise in der Sanierung und Neugestaltung des Milchwerks finde. „Mit Optimismus in die Zukunft“ ist der Abend betitelt und mit Energie ruft er diesen Slogan als Vorredner in den Saal.

Im Vergleich zum Auftritt von Antony Fedrigotti aber ist es wie ein kläglicher Hilferuf, denn der Trainer zeigt wie es geht – womit er seine zweite Botschaft unters Volk bringt: Motivation lebt ganz wesentlich vom Machen und so ist der Südtiroler permanent in Bewegung. Zig Male springt er von der Bühne und wieder hinauf, das Pult dient nur als Zwischenstation, er zieht das Jackett aus, er hantiert, kniet nieder, er setzt gestische und mimische Mittel ein und auch die typische Manager-Pose des Uhr-Ab- und Anbindens während der Veranstaltung fehlt nicht. Und er nimmt das Publikum mit, das von der ersten Minute das Seine ist. Die Methode ist denkbar einfach: Antony Fedrigotti ist ein blendender Erzähler, wobei er sein größtes Kapital einsetzt – sich selbst. Witzig, charmant, wie nebenbei: so plaudert er über seine Kindheit und Jugend in Südtirol, was er beruflich gemacht hat, wie er nach Deutschland kam oder wie sein Chef ihn zum Rennradeln brachte. An anderer Stelle wieder öffnet er für die Menschen die Büros, zeigt wie es dort zugeht, oder führt bildlich Verkaufssituationen vor Augen, in denen der Verkäufer zum Warenaufpasser mutiert. Es wimmelt im Auftritt von Antony Fedrigotti nur so von solchen Kniffen – alle schmunzeln, etliche lachen und damit haben die Zuhörer die nächste Botschaft verstanden. Sie alle kennen die Geschichten, auch sie könnten sie prinzipiell erzählen. Sie verfügen just über das Kapital, das es laut Antony Fedrigotti bei jedem Einzelnen zu entdecken gibt: Denn jeder sei eine ganz eigene Persönlichkeit, mit eigener Geschichte, eigener Kraft und eigenem Mut…

Und das Publikum versteht, zumindest macht es reihenweise mit. Die Leute stehen auf und machen Lockerungsübungen, beim Pendeln mit einem Kugelschreiber erleben sie die Auswirkungen mentaler Anstrengung oder erfahren am Beispiel einer aus dem Publikum gewählten Testperson, dass es tatsächlich so etwas wie Stimmungsenergien mit physischen Folgen gibt. Spätestens hier bekommt der Vortrag von Antony Fedrigotti etwas Missionarisches und prompt meldet jemand Zweifel an. Der Skeptiker wird kurzerhand auf die Bühne zitiert, selbst einem ähnlichen Test unterzogen und klar: er nimmt wenig später – selbstverständlich lächelnd – als Bekehrter seinen Platz wieder ein.

Steht der Stadt mit dem Ausschwärmen von 300 neuen Anhängern des guten Mutes also eine rosige Zukunft bevor? Nun, am Ende ist dann doch Skepsis angebracht: So gut wie Antony Fedrigotti werden’s die Radolfzeller wohl kaum auf Anhieb hinbekommen – sie werden viel üben müssen. Torsten Lucht

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